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Über uns
Unsere Gemeinde kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die erste Kirche unter dem Patronat des heiligen Bischofs Martin von Tours wurde Ende des 13. Jahrhunderts bald nach der Verleihung der Stadtrechte zwischen 1231 und 1255 gebaut. 1291 wird erst- mals urkundlich auf die Kirche hingewiesen.
Blomberg nach einem Stich von Alias van Lennep 1663.
Zusätzlich ließ der Edelherr Bernhard VII. zur Lippe 1460 eine Kapelle „Zum Heiligen Leichnam“ über einen in der Nähe der Kirche befindlichen Brunnen errichten, dessen Wasser als wundertätig galt, weil eine Bürgerin der Stadt, Alheyd Pustekoke, 45 konsekrierte Hostien stahl und aus Angst vor Entdeckung in den Brunnen warf. Schnell wurde diese Kapelle zum Zentrum einer Wallfahrt, deren Bedeutung dem Lourdes von heute gleichkam. Zur Betreuung der Pilger wurden 1468 Augustiner-Chorherren aus Möllenbeck gerufen, die bei der mittler- weile zur Kirche gewordenen Kapelle ein Kloster errichteten. Die Weihe der Wallfahrtskirche wurde 1473 vollzogen und von den Chorherren als Klosterkirche genutzt. |
Von Päpsten, Kardinälen und Bischöfen wurden Ablässe verliehen. Ein kunstvoll gefertigter Ablaßbrief, der sich im Lippischen Landesarchiv befindet, verfehlte seine Wirkung nicht, wenn er den anwesenden Pilgern gezeigt wurde. Ein aus Blei gefertigtes Pilgerzeichen mit dem Abbild der Alheyd Pustekoke wurde zu Tausenden verkauft. Die Tatsache, daß man das Zeichen 1973 bei Ausschachtungen in Amsterdam fand, zeugt von der weiten Verbreitung der Wallfahrt.Im Zuge der Reformation wurde der Wallfahrtsbetrieb eingestellt und die Mönche weitgehend vertrieben. Die verbliebenen Mönche solidarisierten sich mit ihrem Ordensbruder Martin Luther und legten das Ordenskleid ab. Die Klosterkirche wurde geschlossen. |
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Pilgerzeichen des Augustiner-Chorherrenstiftes mit dem Bildnis der Alheyd Pustekoke, die 45 konsekrierte Hostien in den Brunnen wirft. Auf einem geschwungenen Schriftband steht die Inschrift: „Corp‘ xpi i blombh“ (corpus christi in blomberch). |
| Spitzovales Konventssiegel des Augustiner Chorherrenstiftes in Blomberg, 15./16. Jahrhundert. In der Mitteltafel eines gotischen Altarbildes entsteigt Christus mit Nimbus, Dornenkrone und mit einem Schurz bekleidet aus einem sechseckigen Brunnen, unter den angewinkelten Armen hält er Rute (rechts) und Geißel (links); auf den beiden Seitentafeln befinden sich zwei kniende Engel: rechts die Dornenkrone, links die Geißelsäule haltend. Die Unterschrift lautet: „sigillum conuentus corporis christi in blomberch“. |
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Brunnen mit dem Bronzebild der Al- heyd Pustekoke auf dem Blomberger Marktplatz, gefertigt von dem Osna- brücker Künstler Hans Gerd Ruwe. |
| Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther (1483 – 1546) seine 95 Thesen zu Witten- berg. Seine neue Lehre fand recht bald Anklang bei den Menschen. Besonders bei dem freiheits- durstigen Bürgertum der Städte, das sich von der geistlichen und weltlichen Obrigkeit unabhängi- ger machen wollte, während die Landbevölke- rung weitgehend am alten Glauben und seinen überkommenen Riten festhielt. Neuerungen fan- den bei ihr wegen des Bildungsstandes - sie waren des Lesens und Schreibens nicht kundig - nur schwer Eingang. Auch in der Hansestadt Lemgo fand 1520 die Lehre Martin Luthers Gehör. Bereits 1527 erfolg- te der erste Zusammenschluß der Anhänger Martin Luthers. |
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| Der damals regierende lippische Landesherr Graf Simon V., der fest zum katholischen Glauben stand, lehnte die Reformationsbestrebungen ab. Er konnte aber nicht verhindern das die neue Lehre in Lemgo festen Fuß fassen konnte. Simon V. starb am 17. September 1536 und wurde in der Gruft der Klosterkirche in Blomberg beigesetzt. Sein letzter Wunsch war, daß seine Kinder und das Land Lippe dem alten Glauben treu bleiben sollten. Landgraf Philipp von Hessen hatte er zum Vormund seiner noch minderjährigen Söhne gemacht. Als strenge Verpflichtung hatte er Philipp auferlegt, die Söhne im katholischen Glauben zu erziehen. | ![]() |
| Aber Philipp hielt sich nicht an den ausdrücklichen Willen des Vaters und erzog die beiden Kinder an seinem Hof evangelisch. So wurde Bernhard, Sohn Simons V., der erste lutherische Graf von Lippe und führte das lutherische Bekenntnis im ganzen Land ein. Mit der 1538 in Cappel gegebenen Kirchenordnung war die Reformation in Lippe endgültig. | ![]() |
| Als Bernhard VIII. als erster lutherischer Graf zu Lippe 1563 stirbt, folgt ihm sein Sohn Graf Simon VI., der als Student an einer reformierten Schule in Straßburg ein glühender Anhänger der Lehre Jean Calvins (1503 – 1564) geworden war. Er führte konsequent die reformierte Lehre in Lippe ein. Diesem Druck folgte auch diesmal vor allem die Landbevölkerung nur sehr zögerlich. Am 12. Juni 1605 nahm Simon VI. mit seiner ganzen Familie in aller Öffentlichkeit am reformierten Gottesdienst in der Detmolder Pfarrkirche teil. So war der Calvinismus in Lippe grundgelegt. Lippe wurde also zweimal einem Wechsel des Glaubensbekenntnisses unterworfen. | ![]() |
Schicksal der Martinikirche Die alte Martinikirche, bei der es sich um einen kleinen, einschiffigen Kirchenbau mit 2 Jochen und eingezogenem Chor handelte, wurde 1833 nach 600 jährigem Bestehen wegen Baufälligkeit abgerissen. Der heute noch zu besichtigende Turm blieb - um ein Geschoß verkürzt - erhalten. |
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